Von:
Susanne Breit-Keßler

e-feiertag.de

Wer im Ritual der Feiertage die eigene Existenz betrachtet, profitiert ohne Ende: Erwartung, die Ankunft neuen Lebens, Erfahrungen von Leiden und Verzicht, Aufbrüche aus Erstarrung, mitreißende und geistvolle Erlebnisse, Momente der Verklärung, Dankbarkeit, Sehnsucht nach Erneuerung, Selbstkritik und gesellschaftliche Wachsamkeit, Trauer und Hoffnung auf Ewigkeit – alles hat seinen Ort in den Ritualen von Advent bis Ewigkeitssonntag. Mann und Frau können sich gut lutherisch selbständig auf Erlebnisreise durch die heilsame Strukturierung des Lebens begeben.

Die hohen Fest- und Trauertage im Jahr, noch viel mehr die Knotenpunkte und Krisenphasen der eigenen Biographie wie Geburt, Pubertät, Hochzeit, Alter und Tod sind Schwellenzeiten, Übergänge von einer Lebenssituation in die andere. Ihre Rituale sind effiziente Arzneien gegen Angst und Sprachlosigkeit. Sie sind wundersame Sesam-öffne-Dichs zu einer Welt, die im besten Sinne in Ordnung ist, in der man sich geborgen, zumindest aber recht gut aufgehoben fühlen kann.

Wen wundert es, dass manche Paare, die auseinander gehen, sich einen Scheidungsritus wünschen – in der Kirche. Da soll nichts an Schuld weggezaubert, sondern das Weh, die Schmerzen und Verletzungen in einen größeren, bergenden und verzeihenden Zusammenhang gestellt werden. Kinder und Eltern sind begeistert über Gottesdienste für ABC-Schützen – angesichts des bevorstehenden Kampfes um Noten, manchmal mutterseelenallein oder vaterlos, die rechte Erinnerung an gnädige Rechtfertigung durch den Vater-Unser.

Wer ohne Form ist und sich in spießiger Stilvergessenheit suhlt, ist wegen geistig-geistlicher Armut zu bedauern. Kulturlos der verzweifelt anmutende Versuch, zur Rettung der kriselnden Sozialsysteme und als Opfer für den ökonomischen Aufschwung Feiertage als beliebige Verschiebemasse zu betrachten.

Es ist gut und richtig, Feste zu feiern, wie sie fallen, Tragik mit allen Fasern von Seele und Körper zu durchleiden. Die Ereignisse des Tages, des Jahres und des Lebens bedürfen nicht bloß der schwarz gewandeten oder schillernden Aufmerksamkeit, sie verdienen sie auch. Menschen haben nur dieses eine einzige kostbare Dasein – das „ordentlich“ begangen gehört in seinen Höhen und Tiefen.